Meine Wikinger

Sonntag, 17. April 2016

Straßentafeln für Fahrschulen

In meiner Sammlung verschiedener Straßenpläne und Untergründe für Dioramen sind durch die diesjährige Bremen Classic Motorshow zwei Straßentafeln dazu gekommen. Es handelt sich um magnetische Tafeln in einem stabilen Holzrahmen, die für Fahrschulen hergestellt wurden. Sie sind dafür gedacht, an der Wand hängend zur Veranschaulichung von Verkehrssituationen zu dienen. Dazu passendes Zubehör mit Magneten gab es von verschiedenen Herstellern, auch Wiking-Modelle wurden dabei gerne verwendet.

Firmenschild an der kleineren Straßentafel
Die Tafeln sind mit funktionsfähigen Ampeln und Warnleuchten ausgestattet. Über diverse Schalter können aufeinander abgestimmte Ampelschaltungen inkl. Abbiegepfeil, sowie rote Blinkleuchten am Bahnübergang aktiviert werden. Außerdem bietet die eine Tafel noch eine Fußgängerampel, die andere dafür ein gelbes Blinklicht am Zebrastreifen, sowie gelbes Blinklicht an den Ampeln um eine Fehlfunktion zu simulieren. Beide Tafeln sind mit schwarzer Tafelfarbe versehen, sodass man gut Kreide verwenden kann um Verkehrssituationen zu verdeutlichen.

Die kleinere Straßentafel (85cm x 55cm mit Rahmen, 82cm x 52cm ohne Rahmen) bildet eine recht komplexe große Straßenkreuzung ab, außerdem wurde in der Ecke noch ein unbeschrankter Bahnübergang angedeutet. Da es kaum Freiflächen gibt und diese zudem noch begrünt sind, habe ich hier auf Gebäude verzichtet und nur Bäume verwendet. Das Bild zeigt die Tafel verkehrtherum, die Aufhängung befindet sich hier unten, die oben rechts erkennbaren Schalter sitzen dann links unten.

Hier kann man sehen, dass der Holzrahmen rechts, also unten, höher ist. Dadurch dient er als Abstellfläche für Modelle, wenn die Tafel hängt. An dieser Tafel findet sich das oben gezeigte Schild des Herstellers WERNER DEGENER Lehrmittel GmbH, heute noch als DEGENER-Verlag in der Verkehrserziehung aktiv.

Der IH Tanksattelzug führt die Schlange an weiteren Transportern und Lastwagen an, erst hinter der Kreuzung dürfte er wieder überholt werden. Auf der sehr dominanten Pflasterstruktur fällt der Handwagenfahrer kaum auf. Das Andreaskreuz links ist das einzige aufgemalte Verkehrszeichen.

Die Aluverkleidung des alten Sattelaufliegers reflektiert hier das grüne Licht der Ampel Die Personengruppe scheint sich noch nicht über die Straße zu trauen. Vielleicht haben sie auch noch nicht bemerkt, dass auch die Fußgängerampel Grün zeigt, schließlich liegt sie hinter ihnen. Der Handwagenfahrer scheint da mutiger zu sein.

Die separate Rechtsabbiegespur kommt ohne Ampel aus, wenn die Kreuzung frei ist, darf hier jederzeit abgebogen werden. Zeigt die Ampel Grün für die Hauptstraße, ist das Abbiegen natürlich sicher. Der senfgelbe Düsseldorfer Transporter dient wohl als schlechtes Beispiel für Ladungssicherung. Wenn schon entsprechende Gurte fehlen, so wurde hier wenigstens nach vorne formschlüssig geladen.

Bei den wartenden Fahrzeugen im Hintergrund merkt man, dass die aufgezeichneten Fahrspuren für Wiking-Modelle doch etwas großzügig bemessen sind. Der gesamte Plan scheint eher für Siku-Modelle ausgelegt zu sein. Durch die Fahrbahnmarkierungen inklusive Richtungspfeile ist es auch nicht möglich die Anzahl der Fahrspuren zu variieren.
Das separate Licht bei der Ampel ist der grüne Pfeil für Rechtsabbieger, nicht zu verwechseln mit dem unbeleuchteten Grünpfeil.

Die zweite Straßentafel ist deutlich größer (103cm x 78cm mit Rahmen, 100cm x 66cm ohne Rahmen) und bildet neben einer großen Kreuzung noch einen Kreisverkehr mit Straßenbahn, eine Seitenstraße und ebenfalls einen unbeschrankten Bahnübergang ab. Dazu gibt es noch zwei Zebrastreifen, von denen einer mit einem gelben Blinklicht gesichert ist.
Die grafische Gestaltung ist im Vergleich zum anderen Plan deutlich reduzierter. Straßen- und Freiflächen, sowie die Fußwege sind mit einfachen Linien voneinander abgegrenzt. Unten befindet sich ein extra Fach um nicht benötigte Modelle abzustellen, dort sind auch die Schalter für die Beleuchtung zu sehen.

Dieser Kreisverkehr dürfte, nicht zuletzt durch seine asymmetrische Gestaltung sowie die Beteiligung einer Straßenbahn, den Fahrschülern einiges Kopfzerbrechen bereiten. Aber lieber so, als unvorbereitet im praktischen Unterricht in eine solche Situation zu geraten. Eine ähnliche Konstellation findet sich in Bremen am Stern, sechs Straßen treffen hier aufeinander, dazu kommen eine kreuzende Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper mit Bedarfsampeln, eine eigene Radspur im Kreisverkehr, eine außenliegende Rechtsabbiegerspur und eine extra Busspur in einer der Straßen. Da ist es gut, wenn man derartige Konstellationen vorher mal in der Fahrschule theoretisch besprochen hat. Eine Fahrschule befindet sich übrigens direkt an diesem Kreisverkehr.

In der Seitenstraße ist einiges los, dazu parken noch Autos auf dem Bordstein. Da ist das Überholverbot durchaus sinnvoll. Die Straße mündet auf der einen Seite direkt vor dem Bahnübergang, auf der anderen direkt neben einem Zebrastreifen. Beides sind für eine Fahrschule durchaus interessante Konstellationen.

Die kurze Straße über die Bahngleise ist sehr breit, so dass die rechts parkenden Fahrzeuge kein Problem sind. Auf der gegenüberliegenden Seite wäre dies aufgrund der einmündenden Straße nicht erlaubt.

Rotes Blinklicht am Bahnübergang zeigt dem Karmann Ghia und dem schwarzen Mercedes, dass sie vor den Schienen warten müssen. Der VW T1 hat die Gleise zügig zu verlassen. Das Verkehrsschild rechts ist hier eigentlich falsch, da es einen beschrankten Bahnübergang ankündigt.

Dieser Fußgängerweg ist nicht nur durch entsprechende Fahrbahnmarkierungen (Zebrastreifen) gekennzeichnet, sondern noch zusätzlich mit zwei gelben Blinkleuchten gesichert. Da rechts eine Gruppe Fußgänger wartet, müssen die Auto anhalten und sie vorbeilassen. Vorne zeigt sich eine interessante Situation, denn vor Zebrastreifen darf nicht überholt werden. Auf einer vierspurigen Straße ist hier also besondere Vorsicht geboten.

Auch auf der Hauptstraße gibt es einen Zebrastreifen, dieses Mal ohne zusätzliche Sicherung. Alle Fahrzeuge warten aber vorschriftsmäßig um die Familie vorbeizulassen. Langfristig wird diese Stelle wohl eine Ampel bekommen müssen.

Für die Querstraße zeigen die Ampeln Rot, der hier ebenfalls vorhanden grüne Pfeil für Rechtsabbieger ist ausgeschaltet. Im Hintergrund ist die bereits durch Schilder angekündigte Tankstelle zu sehen.

Ein weiterer Blick über die Kreuzung zeigt die gegenüber wartenden Fahrzeuge. Die Beladung des Getränketransporters unten im Bild mag aus Sicht der Gewichtsverteilung richtig sein, allerdings fehlt der Formschluss nach vorne. Leider ist diese Getränkepritsche minimal zu kurz für die Getränkekisten. Beim großen Getränke-LKW ist dies besser gelöst.

An der Tankstelle stehen zwei sehr unterschiedliche Cabriolets. Der 190 SL der Dame links könnte mal eine Wäsche vertragen. Der Jeep rechts ist zwar optisch in Ordnung, die Kanne deutet aber darauf hin, dass ihm evtl. ein wenig Wasser fehlt. Die hilfsbereiten Tankwarte sind jedenfalls in beiden Fällen zur Stelle.

Die beiden Schautafeln verwenden zwar die gleichen Beleuchtungseinrichtungen und Schalter, weichen allerdings in Gestaltung und Bauweise des Rahmens erheblich voneinander ab. Daher gehe ich davon aus, dass die größere Tafel von einem anderen Hersteller stammt, der nur den gleichen Zulieferer für die Elektrik nutzte. Einen Hinweis auf den Hersteller konnte ich leider nicht finden.
Der Verkäufer vermutete, dass beide Tafeln aus den 1960er Jahren stammen, da in den 1970ern Metall- und Kunststofftafeln die alte Holzbauweise ablösten. Genauere Informationen habe ich leider nicht.

Während ich sonst häufig unverglaste Modelle auf meinen Dioramen verwende, wären diese für diese Straßentafeln wohl zu alt. Daher sind es auf der größeren Tafel frühe und auf der kleinen Tafel weniger frühe verglaste Modelle. Auch das Zubehör wurde dazu passend gewählt, einmal Verkehrzeichen mit flachen Sockeln, einmal mit den hohen, mal bemalte, mal unbemalte C-Figuren, sowie eine verglaste Tankstelle. Ein paar zeitliche Unstimmigkeiten sind möglich, die Einteilung erfolgte weitestgehend nach Gefühl.

Durch die gewählte Zeiteinteilung sind dieses Mal auch einige Modelle zu sehen, die es sonst eher selten vor meine Kamera schaffen.

Ich hoffe die kleine theoretische Fahrstunde hat gefallen! ;-)